Philipp B, Bolivien und das Geld

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser!

Diesen Eintrag widme ich der Frage:

Wofür werden die Spenden verwendet?

Nun, diese Frage kam auf, als ich meine ehemalige Stufe fragte, ob ich am ABI-Ball eine Rede halten könnte. Die Diskussion mündete in eine Pro- und Contra-Abwägung meines Freiwilligendienstes in Bolivien.

Auf der einen Seite wurde argumentiert, dass es vergleichsweise sinnvoller sei, das Geld, das ich für die Verwirklichung meines Freiwilligendienstes sammel, der einheimischen Bevölkerung so wahrscheinlich besser helfen würde. Es sei besser das Geld anstatt mich dorthin zu schicken.

Sieht man dieses Argument von dem Standpunkt der größtmöglichen Effizienz, hat es durchaus einen Wahrheitsgehalt in sich.

Zum Thema Effizienz möchte ich noch anmerken, dass Michael Palin, ein ehemaliges Mitglied der Monty Pythons, über die Deutschen sagte, sie seien Meister der Effizient und der Disziplin. Das, so Palin, schade aber ihrer Art Witze vorzutragen, da diese so gut durchgeplant sind und auf die Pointen zugespitzt, dass es eher grotesk als witzig wirke.

Aber zurück zum Thema, ich räumte gerade ein, dass ich nicht die effizienteste Möglichkeit bin für die Bolivianer in El Alto, doch es geht hierbei nicht um Effizienz.

Es dreht sich alles um Veränderung, es geht hier um Wechselseitigkeit, um Menschlichkeit.

Ich habe nicht den Anspruch Leuten das Geld aus der Tasche zu nehmen, um damit um die halbe Welt zu fliegen, sondern ich möchte diese Leute an der Veränderung der Welt teilhaben lassen, das Geld ist wie immer nur das Mittel, der Zweck ist die Veränderung.

Die Welt globalisiert sich immer mehr, dieser Vorgang ist kein einzelnes Phänomen, sondern ein allumfassender Prozess, der die Welt schrumpfen lässt. Es schrumpfen die Reisezeiten, Grenzen und dank weltweiter freier Marktwirtschaft auch die Preise.

Mein Versuch die Welt zu verändern geht in die Richtung, dass ich erfahre und diese Erfahrung weitergebe und anderen Menschen mitteile, Menschen, die in Deutschland leben und nicht wissen, wie es in Bolivien aussieht. Dadurch dass ich meine Erfahrungen weitergebe, stehe ich für die menschliche Globalisierung, in der Menschlichkeit und Würde nicht zu Gunsten des Marktes ignoriert werden.

Spendet jemand einen Beitrag an irgendein Projekt irgendwo auf der Welt, möchte dieser jemand gerne wissen, was damit geschieht. Ich werde regelmäßig berichten was mir widerfährt.

Das Motto von WISE lautet nicht umsonst „Miteinander leben, voneinander lernen!“ und um die Wechselseitigkeit aufrecht zu halten, ist es natürlich, dass ich erzähle wie ich lebe und was ich lerne. Das ist Völkerverständigung.

Ich bin der Vermittler und Übersetzer der Dialoge, das Sprungbrett für jeden von euch, damit ihr in eine andere eintauchen könnt. Nicht nur während meines Aufenthaltes in Bolivien, sondern auch wenn ich wieder in Deutschland bin, so bin ich immer der Beweis dafür, dass durch Engagement, Kreativität und Zivilcourage Veränderung herbeigeführt werden kann.

Doch obwohl ich nur ein kleiner Teil von etwas viel Größerem bin, so gibt es immernoch den Aspekt der Selbstverwirklichung und der Persönlichkeitsentwicklung, den ich nicht abstreiten will.

Die Antwort auf die oben gestellte frage ist:

Die Spende unterstützt die Organisation, also nicht explizit das Projekt, in dem ich arbeiten werde, sondern die Möglichkeit für mich dort zu arbeiten.

Doch sollte jeder/m nach der Lektüre dieses Textes klar sein, dass auch WISE nur eine vermittelnde Instanz ist, nicht zwischen mir und Bolivien, sondern zwischen dem deutschen Volk und dem bolivianischen Volk durch mich.

Mit freundlichsten Grüßen

Philipp Borchers

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